Wintererprobung der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) an einem verschneiten Güterwagen

Damit die Digitale Automatische Kupplung (DAK) den Herausforderungen des europäischen Schienengüterverkehrs gewachsen ist, muss sie ordentlich was aushalten. Dazu gehört auch eine gewisse Robustheit gegenüber Eis und Schnee, wie sie vor allem im Winter in den Alpen vorkommen. Bei den DAK-Wintertests wurde genau diese Widerstandsfähigkeit vier Wochen lang getestet.

Freie Wildbahn schlägt Labor 

Um die Belastbarkeit der DAK-Technik zu prüfen, hat das Team der ÖBB – bestehend aus Testkoordinator:in und Testbeobachter:in sowie betrieblichem Versuchsleiter, Verschubleiter, Lokführer und Wagenmeister – das Kuppeln und den Verschub unter realistischen Bedingungen getestet. Denn im Gegensatz zu den Laborbedingungen in der Klimakammer, deckt der Test in freier Wildbahn jede noch so kleine Schwachstelle unmissverständlich auf.

Wir wollen Fehler sehen! 

Dass es mitunter zu Problemen kommt, lässt sich selbst bei der besten Technik nicht ausschließen. So können Schmierstoffe bei sehr kalten Temperaturen zähflüssig werden und die Aktuatoren (Geräte, die Energie in Bewegung umwandeln) für das Entkuppeln beeinträchtigen. Genauso können mechanische Vorrichtungen bei eisiger Kälte deutlich schwergängiger arbeiten oder zu viel Schnee die elektrischen Kontakte der Kupplungen beeinträchtigen.

Auch Gummidichtungen, die unter anderem bei den Elektrokontakten und Luftleitungen der Kupplungen zum Einsatz kommen, werden bei Kälte steif und damit zur potenziellen Fehlerquelle. RCG-Testerin Anna Kurzecka kann der Befürchtung, dass das Kuppeln bei Minusgraden Probleme bereiten könnte, dennoch nichts abgewinnen: „Unser Zugang ist ein anderer. Wir freuen uns über jeden Fehler, den wir finden. Denn nur so erhalten wir DAKs, die den Schienengüterverkehr effizienter und sicherer machen.“

Im Schatten ist es kälter 

Bei der Suche nach einem geeigneten Testort für den DAK-Demozug wurde das Team der ÖBB schließlich am Bahnhof Schwarzach-St. Veit im Salzburger Pongau fündig. Mit einer Höhe von 594 Metern ist er nicht gerade alpin gelegen. Warum also nicht gleich höher rauf? Anna Kurzecka: „Obwohl die Bahnhöfe Böckstein und Mallnitz-Obervellach auf über 1.100 Metern liegen, sorgt die Inversionswetterlage oben oft für wärmere Temperaturen. Der Bahnhof Schwarzach-St. Veit war für uns der ideale Kältepol, denn er ist von Bergen umgeben und liegt praktisch den ganzen Dezember und Januar im Schatten.“

Kuppeln, trennen, kuppeln – und das Ganze wieder von vorne 

Drei Januarwochen verbrachte das DAK-Testteam mit unzähligen Kupplungstests am Bahnhof Schwarzach-St. Veit. Das forderte auch das Team, das bei Temperaturen von minus 15 Grad, 20 cm Neuschnee und Eisregen, der eine dicke Schicht über die Kupplungen legte, seiner Arbeit nachging. Dabei wurde nicht nur das mechanische Kuppeln immer wieder getestet, sondern auch darauf geachtet, wie die Elektroantriebe beim Trennen der Kupplungen per Knopfdruck reagieren. Augenmerk wurde darüber hinaus auch auf die Luftverbindungen der Kupplungen gelegt, die für das zuverlässige Funktionieren der Bremsen unabdingbar sind.

Nach den Tests in Schwarzach-St. Veit wurde der DAK-Demozug im Februar noch einem weiteren Härtetest unterzogen. „Wir sind mit unserem Lokführer zum Bahnhof Böckstein gefahren, haben den Zug auseinandergezogen, damit Schnee an jede noch so kleine Stelle kommt und ihn dann für zehn Tage abgestellt.“ Eine solche Dauerbelastung kommt auch im Güterverkehr immer wieder vor, wenn einzelne Wagen für längere Zeit abgestellt werden.

Überraschendes Ergebnis 

Wie lautet also das Fazit nach vier Wochen intensiver Tests? „Die Bedingungen waren sehr gut, auch wenn wir uns ein bisschen mehr Neuschnee erhofft hatten.“ Letztlich haben die Hersteller mit ihren DAKs einen wirklich guten Job gemacht. „Ehrlich gesagt, habe ich nicht erwartet, dass es so gut funktioniert“, zieht Anna ein durchaus erfolgreiches Fazit. Auch, wenn sie sich insgeheim schon den einen oder anderen Fehler erhofft hätte.

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